HBO steht für hyperbare Oxygenationstherapie, man meint damit Überdruck- und Tauchmedizin. Die HBO hat ihren Ursprung in der Überdruckmedizin zur Behandlung von Tauchunfällen. 1956 wurde diese besondere Therapieform erstmals für den klinischen Bereich angewandt und findet inzwischen weltweit Anerkennung und Befürwortung bei z.B.:
  • Diabetisch oder AVK-bedingter Wundheilungsstörung
  • Chronische Osteomyelitis
  • Radionekrosen
  • Traumatischen Ischämien (Compartment- oder Crush-Syndrom)
  • akutem Hörsturz und Tinnitus (vor allem im Frühstadium)
  • Tauchunfällen (Caisson-Krankheit, Dekompressionskrankheit), Kohlenmonoxydvergiftungen
  • Verbrennungen (> 20% Körperoberfläche)
  • Akute Luft- oder Gasembolie
  • Gasbrand z.B. schweren Anaerobierinfektionen
  • postoperative Wundheilungsverbesserung
Technische Daten der Druckkammer:
  • Baujahr 1998
  • Hersteller: Fa. Haux, Karlsbad
  • Technische Daten: Hauptkammer: 13 Sitzplätze und 1 Begleiter, 2 Liegeplätze; Vorkammer: 4 Sitzplätze
  • Maximale Betriebsdruck: 5,5 bar Überdruck
  • Länge: 7,5 m
  • Kammervolumen: 19.890 l
  • Vorkammervolumen: 3.740 l
  • Kammerinnendurchmesser: 2,2 m
  • Gewicht: 18.000 kg

Einleitung

Die Sauerstoffüberdrucktherapie (hyperbare Oxygenation, HBO) ist die Sauerstoffinhalationsbehandlung unter Überdruckbedingungen. Die Behandlung wird in Druckkammern (siehe Abbildung) durchgeführt, der Sauerstoff (100 %) wird über Masken geatmet. Der therapeutische Druck liegt in der Regel bei 1,4 bis 1,8 bar Überdruck, entsprechend einer Tauchtiefe von 14 bis 18 Metern.

Der Sauerstoff geht entsprechend zur Erhöhung des Umgebungsdruckes im Blutplasma in Lösung. Hierdurch kann bei entsprechenden Überdrucken die blutplasmatische verfügbare Sauerstoffkonzentration soweit gesteigert werden, daß auf den physiologischen Sauerstofftransport durch Hämoglobin verzichtet werden könnte. Der Sauerstoffpartialdruck kann auf das über 20-fache des normobaren erreichbaren Wertes ansteigen. Diese Sauerstoffpartialdrucksteigerungen übertragen sich anteilig auch auf schlecht durchblutete Gewebe, wodurch Heilungsmechanismen in Sauerstoffmangelgebieten angeregt werden.

Wirkungsmechanismus des hyperbaren Sauerstoffs

Aufgrund der Erhöhung des Sauerstoffpartialdruckes, der Zunahme des im Plasma gelösten Sauerstoffs und der Zunahme des Diffusionsgradienten resultiert eine Erhöhung des Sauerstoffpartialdruckes im Gewebe.

Zu den direkten Wirkungen des Sauerstoffs, die therapeutisch genützt werden, zählen:

  1. Volumenverringerung von Gasblasen im Blut und Gewebe (Tauchunfallbehandlung)
  2. Erhöhte physikalische Lösung von Sauerstoff im Blutplasma und Gewebsflüssigkeiten.
  3. Regulation von sauerstoffmangelbedingten Gefäßerweiterungen und Gefäßabdichtungen
  4. Direkte toxische (abtötende) Wirkung auf anaerobe und aerobe Mikroorganismen (Keime, Bakterien)
  5. Blockierung der Toxinproduktion durch Keime
  6. Anregung der Phagozytose von Makrophagen und Granulozyten im hypoxischen Gewebe
  7. Stimulation der Angioneogenese (Gefäßneubildung)
  8. Ödemreduktion durch präkapilläre Vasokonstriktion
  9. Steigerung der Fibroblastenbildung und Kollagensynthese
  10. Verstärkung der Antibiotikawirkung
Gründe für eine Sauerstoffüberdruckbehandlung

Es ist immer sinnvoll, die HBO zu nutzen, wenn lokal oder allgemein ein Sauerstoffmangel besteht.

1. Schlecht heilende Wunden:
Aus welchen Gründen auch immer eine chronische Wunde entstanden ist, das Wundgebiet leidet an einem chronischen Sauerstoffmangel. Es ist deshalb verständlich, daß sich Chirurgen seit alters her bemühen, durch Anfrischung der Wunde oder Spülung mit Wasserstoffsuperoxyd den Sauerstoffgehalt zu erhöhen.

Für die Heilung benötigt die Wunde deutlich mehr Sauerstoff als im gesunden Gewebe üblicherweise vorhanden ist. Die hyperbare Sauerstofftherapie ist deshalb zu einer wichtigen ergänzenden Therapieform bei Wundheilungsstörung und immer wieder neu auftretenden Wunden geworden. Untersuchungen am Menschen konnten die Grundlagen für die erfolgreiche Behandlung von Problemwunden mit der hyperbaren Oxygenationstherapie belegen. Effekte der HBO-Therapie sind dabei: Die Verlängerung der Diffusionsstrecke für Sauerstoff, antiödematöse Wirkung (abschwellende Wirkung) durch Gefäßverengung, Bakterizidie auf anaerobe Erreger und Toxinaktivierung, Aktivierung der Fibroblastenproliferation und Kollagensynthese, Angioneogenese (indirekt), Aktivierung von Leukozyten und Makrophagen.

2. Infektionen:
Sauerstoff wirkt hemmend auf den Stoffwechsel zahlreicher Bakterien. Möglicherweise sind hier für die vermehrte Entstehung der freien Radikalen verantwortlich. Anaerobier können durch einen genügend hohen Sauerstoffpartialdruck zum Absterben gebracht werden. Deshalb steht zum Beispiel bei einer Clostridieninfektion (Gasbrand) die Behandlung mit der HBO im Vordergrund. Bei chronischer Weichteil- oder Knocheninfektion ist das Wundgebiet hypoxisch. Die guten Resultate der HBO-Anwendung als unterstützende, zusätzliche, Maßnahmen der chirurgischen und antibiotischen Therapie sind auf das erhöhte Sauerstoffangebot in dem geschädigten Gebiet zurückzuführen.

3. Radionekrosen:
Bei der therapeutischen Anwendung ionisierender Strahlung kommt es bei ca. 5 % der Patienten zu unerwünschten, strahlenbedingten Nebenwirkungen. Kennzeichnend für solche geschädigten Areale sind Hypovaskularität, Hypocellularität und chronische Hypoxie. Weiterhin findet man hier eine obliterierende Endarteritis, sowie fibrotische Umbauzonen. Hier kann die HBO, vor allem durch Induktion der Granulation und Angioneogenese Hilfe versprechen. Nicht nur bei primären Weichteilradionekrosen sollte die hyperbare Oxygenation eingesetzt werden, sondern vor allem auch als perioperative, adjuvante Methode bei geplanten osteosynthetischen oder plastischen Eingriffen im vorbestrahlten Wundgebiet.

4. Diabetische Wunde und Ulcus cruris:
Die HBO-Therapie empfiehlt sich bei chronisch hypoxischen Wunden, zum Beispiel der diabetischen Gangrän oder mikroangiopathischen Veränderungen bei der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit, wenn nicht eine gefäßchirurgische Intervention im Vordergrund steht.

5. Plastische Chirurgie und Wiederherstellungschirurgie:
Da hier ungünstige Wundverhältnisse häufig ein großes Problem darstellen und somit der Erfolg der chirurgischen Maßnahmen in Frage gestellt wird, ist die HBO dann indiziert, wenn bei Lappenplastiken oder Transplantationen diffuse Durchblutungsstörungen mit kritischen Sauerstoffmangelversorgungen im Transplantatbereich vorliegen.

6. Tinnitus und Hörsturz:
Die pathophysiologischen Vorgänge bei plötzlichen Auftreten von Ohrgeräuschen und Hörverlusten konnten noch nicht in allen Einzelheiten geklärt werden. Eine Durchblutungsstörung der Cochlear scheint aber eine wesentliche Ursache zu sein. Dies führt zu einem Sauerstoffmangel.

Kaum strittig ist die Tatsache, daß die Erfolgsaussichten einer Behandlung - kausal oder unterstützend - in den ersten Wochen und Monaten nach einem akuten Hörschaden am größten sind. Je länger die Hypoxie (Sauerstoffmangel) der Nervenzellen zurückliegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden Funktionseinbuße.

Ein Therapieversuch mit der HBO sollte bei Innenohrerkrankungen derzeit nicht verweigert werden, wenn

  1. ein akuter, nicht mehr als sechs Wochen alter hypoxischbedingter Hörschaden vorliegt,
  2. die üblichen Behandlungsverfahren (in der Regel Infusionsbehandlung) mit nicht hinreichendem Erfolg ausgeschöpft sind),
  3. der Patient nach eingehender tinnitusspezifischer Beratung, Aufklärung über die Erfolgsaussichten der HBO und über das Vorgehen bei der Behandlung, die Behandlung wünscht und
  4. die Druckkammertauglichkeit vorliegt.
7. Tauchunfälle:
Bei Vorliegen einer Dekompressionserkrankung oder einer Atemgasembolie ist nach Notfallversorgung des Patienten und sofortiger normobarer Sauerstoffgabe am Unfallort die hyperbare Sauerstoffbehandlung in einer Druckkammer unverzüglich erforderlich.